02.06.
2026

Pendenzenberge und maßlose Erwartungen – Teil 2

Die neue Arbeitswelt

Welch ein Kontrast zur späteren Arbeitswelt, die ich selbst erlebte und von der ich heute im Coaching höre: Konkurrenz- und Zeitdruck, Unsicherheit, Digitalisierung, permanenter technologischer Wandel, hohes Innovationstempo, Informationsflut und Unternehmen, die sich laufend neu organisieren.

Die Arbeit früherer Generationen hatte meist erkennbare Grenzen: Feierabend, Sonntag, Jahreszeiten und gewachsene soziale Strukturen. Der heutige Arbeitsalltag hingegen kennt immer weniger äussere Begrenzungen. Arbeit endet nicht mehr selbstverständlich mit dem Verlassen des Arbeitsplatzes. Sie begleitet viele Menschen permanent – in Gedanken, auf Bildschirmen und über ständige Erreichbarkeit.

Die Auswirkungen sind tiefgreifend: Kommunikation in Echtzeit, zunehmender Konkurrenzdruck, steigende Erwartungen und die schleichende Auflösung der Grenze zwischen Arbeit und Privatleben erzeugen eine dauerhafte innere Anspannung. Hinzu kommen Ängste vor Stellenverlust durch KI, Automatisierung oder wirtschaftliche Krisen. Technologie beschleunigt Prozesse, verdichtet Arbeitsabläufe und verstärkt das Gefühl, niemals wirklich fertig zu sein. Während sich viele Menschen tapfer durchschlagen, schwinden innerlich die Energiereserven. Der Akku leert sich schleichend. Was einst als Engagement und Leistungsbereitschaft begann, endet nicht selten in Erschöpfung, innerer Leere und Burnout.

All diese Prägungen der modernen Arbeitswelt sind auch Themen, die im Leadership-Coaching immer wieder zur Sprache kommen. Früher oder später rückt dabei eine existentielle Frage ins Zentrum: Wie setze ich Grenzen, wie sage ich NEIN?

Äußere und innere maßlose Erwartungen

Die äusseren Treiber haben wir bereits erwähnt. Masslose Erwartungen entstehen jedoch nicht nur durch äussere Anforderungen, sondern ebenso durch verinnerlichte Ansprüche an sich selbst. Zu diesen inneren Leistungsmassstäben gehören beispielsweise:

  • immer produktiv und möglichst fehlerfrei sein,
  • überall und jederzeit mithalten wollen,
  • sich fortwährend optimieren und verbessern müssen,
  • jede Chance zur Effizienzsteigerung nutzen,
  • glauben, andere würden »das alles ja auch schaffen«.

Melanie weist uns direkt auf die Bedeutung hin, zum Selbstschutz Grenzen zu setzen. 
Im folgenden Teil 3 beschränken wir uns auf dieses zentrale Thema.



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